Als Steuerberater ins Consulting: Alternative Karrieremöglichkeiten

  1. Womit beschäftigt sich Consulting?
  2. Wie können Steuerberater sich in diesem Bereich einbringen?
  3. Wie können Steuerberater in der Branche Fuß fassen?
  4. Qualifikation: Mehr Wissen heißt Mehrwert bieten
  5. Fazit: Als Consultant in die Zukunft aufbrechen
  6. Quellen:

Der Steuerberater gehört zu jenen Berufen, bei denen bestimmte Bilder im Kopf auftauchen. Im Regelfall wird der Steuerberater im Anzug gesehen – beim Beratungsgespräch mit Unternehmern, wie sie am besten Steuern sparen. Die Branche greift Selbständigen und Gewerbetreibenden (aber auch Privatpersonen) unter die Arme, wenn es um das Thema Umsatzsteuer oder den Jahresabschluss sowie die Einkommenssteuer geht. Neben der Beratungstätigkeit besteht der Alltag des Steuerberaters im Gros daraus, Zahlen von Belegen abzutippen und die Betriebsabschlüsse fürs Finanzamt vorzubereiten. Und trudeln diese wieder ein, geht’s ums Prüfen der Steuerbescheide.

Consulting Fähigkeiten als Steuerberater

Die Fähigkeiten eines Steuerberaters im Bereich Consulting sollte man nicht unterschätzen!

Der Beruf Steuerberater könnte durchaus als staubtrocken umschrieben werden. Oder als Verwalter von Betriebskennzahlen. Allerdings befindet sich die Branche im Umbruch. Eine Erkenntnis, welche Branchenkenner nicht erst seit gestern umtreibt. Bereits 2016 hat das Online-Magazin des IT-Dienstleisters DATEV den Versuch gemacht, ein Bild von der Zukunft des Steuerberaters zu zeichnen. Einfach nur ein Buchhalter – so sieht der traditionelle Blinkwinkel auf den Berufsstand aus. In der Praxis macht die Digitalisierung den Beruf dynamischer, erfordert aber auch ein Umdenken und eine Erweiterung des Horizonts – etwa in Richtung Consulting.

Womit beschäftigt sich Consulting?

Consulting ist einer jener Wirtschaftsbereiche, der in den letzten Jahren eine erhebliche Aufwertung erfahren hat. Im Kern zielt der Begriff eine Unternehmensberatung ab. Abgeleitet aus dem englischen Sprachraum, übernehmen Consultants sehr unterschiedliche Aufgaben. Im Wesentlichen geht es darum, Zielsetzungen zu definieren und Unternehmen beim Erreichen dieser Ziele zu unterstützen.

In der Praxis sehen die Ziele ganz unterschiedlich aus und erstrecken sich über:

  • Neugründungen
  • Effektivitätssteigerung
  • Umstrukturierungen
  • Modernisierungen
  • Förderungsmöglichkeiten.

Im Wesentlichen nehmen Unternehmensberater also Aufgaben wahr, wenn es um eine Verbesserung betrieblicher Prozesse geht. Dies ist häufig mit dem Ziel verbunden, dem Unternehmen zu weitem Wachstum zu verhelfen.

Warum sollten Unternehmen auf externe Berater zurückgreifen? Ganz einfach: Personen von außerhalb entwickeln objektive Sichtweisen und erkennen Stellschrauben besser. Auf der anderen Seite bringen Consultants häufig ein Know-how mit, welches innerbetrieblich fehlt. Ein einfaches Beispiel ist eine geplante Digitalisierungsoffensive. Der Ausbau wird zur Steigerung der Konkurrenzfähigkeit anvisiert, nur leider hat niemand im Unternehmen einen Überblick, wie dies zu bewerkstelligen ist.

Wie können Steuerberater sich in diesem Bereich einbringen?

Unternehmensberatung ist ein sehr breit gefächertes Tätigkeitsfeld. Wo finden Steuerberater hier ihre Nische? In der Praxis bieten sich dem Steuerberater unterschiedliche Anknüpfungspunkte, die sich nicht ausschließlich auf rein steuerrechtliche Aspekte beschränken müssen.

Grundsätzlich kommt dem Steuerberaterberuf an dieser Stelle entgegen, dass schon das klassische Berufsbild Schnittmengen zwischen Betriebswirtschaft (Unternehmensführung) und Steuerrecht beinhaltet. Ein gutes Beispiel ist die Effizienzsteigerungen. Diese lassen sich auf unterschiedlichen Wegen erreichen. Ein Ansatz besteht schlicht und einfach in Einsparungen bei den Personalkosten.

Auf der anderen Seite bietet auch das Steuerrecht Stellschrauben wie:

  • das Vorziehen von Investitionsbeträgen
  • effiziente Nutzung der Abschreibungsregeln usw.

Steuerberater kennen diese Gestaltungsmöglichkeiten nur zu gut – und können das Know-how in die Beratungstätigkeit einbringen.

Parallel besitzen Steuerberater ein sehr fundiertes Wissen, wenn es um Aspekte der Existenzgründung geht. Start-Ups profitieren hiervon unter anderem im Hinblick auf die Wahl der richtigen Rechtsform. Aber auch Aspekte im Segment der Personalverwaltung oder der Gründungsfinanzierung kann der Steuerberater dank seines Fachwissens sehr gut im Auge behalten.

Aber: Damit Steuerberater als Consultant erfolgreich Fuß fassen, ist ein Umdenken erforderlich. Viele Berater, die eher in Richtung des traditionellen Steuerberater-Berufs orientiert sind, werden erst aktiv, wenn tatsächlich Steuerstreitfälle auf dem Tisch liegen. Aktive Beratung im Sinn einer Unternehmensberatung muss viel früher einsetzen. Es ist nötig, dass sich Steuerberater stärker in die Position ihrer Mandanten hineinversetzen.

Wie können Steuerberater in der Branche Fuß fassen?

„Unternehmensberater gibt´s schon genug, hier kriegt niemand mehr den Fuß in die Tür.“ Dies stellt eine Haltung dar, welche immer wieder anzutreffen ist. Dabei bieten sich dem Steuerberater im Alltag häufig Gelegenheiten, als Consultant aktiv zu werden. Wichtig ist, diese Chancen zu erkennen.

Typisches Beispiel: Angehende Gründer suchen Steuerberater mit dem Anliegen auf, mehr zu steuerrechtlichen Fallstricken zu erfahren. Sicher wird der Berater hierzu Auskunft geben und kann die Gründer vielleicht auch als Mandanten für die Steuererklärung gewinnen. Warum an dieser Stelle aber nicht einen Schritt weitergehen? Durch die zunehmende Digitalisierung nimmt der Arbeitsaufwand ab.

Im Gegenzug bietet sich eine Umschichtung der Kapazitäten an. Der Steuerberater weist die Gründer im Gespräch auf verschiedene Sachverhalte hin, welche eigentlich zur Unternehmensberatung gehören – und bietet so seine Hilfe an. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird dies nicht der letzte Kontakt sein.

Qualifikation: Mehr Wissen heißt Mehrwert bieten

Im Grundsatz ist – um in die Unternehmensberatung einsteigen zu können – für den Steuerberater keine zusätzliche Qualifikation notwendig. Hintergrund: Die Tätigkeit des Consultants ist in Deutschland kein Ausbildungsberuf. Vielmehr tummelt sich hier ein bunter Mix aus Beratern, die aus den Wirtschaftsberufen kommen und Quereinsteigern.

Trotzdem ist es empfehlenswert, Zusatzausbildungen und Weiterbildungen nicht komplett vom Radarschirm verschwinden zu lassen. Gerade die wachsende Bedeutung der Digitalisierung der Steuerberatung bedeutet auch für die Consulting-Branche, so sehen es zumindest einige Branchenkenner, einen Wandel. Und dieser führt zu veränderten Ansprüchen, gerade im Hinblick auf eine Beratung, die fit fürs digitale Zeitalter macht.

Fazit: Als Consultant in die Zukunft aufbrechen

Der klassische Beruf des Steuerberaters verändert sich. Durch die wachsende Digitalisierung entfallen Tätigkeiten. Wohin aber mit den freien Kapazitäten? Eine Option ist eine zunehmende Fokussierung auf Unternehmensberatung. Da Steuerberater von Haus aus die Kennzahlen ihrer unternehmerischen Mandanten kennen, lässt sich hieraus eine Symbiose entwickeln, die zum beiderseitigen Vorteil ist. Und Steuerberater können auch Gründer adäquat beraten. Aber: Um fit für diese neue Zeit zu sein, können zusätzliche Qualifikationen nicht schaden. Speziell wenn Steuerberater ihr Know-how mit Aspekten der Digitalisierung verknüpfen, entsteht ein durchaus breites Tätigkeitsfeld.

Quellen:

[1] Auf dem Weg in neue Zeiten: Ein Berufsbild im Umbruch. DATEV Magazin 08/2016

[2] Klassische Unternehmensberatung stirbt aus. Stefan Dangel in consulting.de

 
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