Digitalisierung der Steuerberatung: Risiko oder Chance für Steuerberater?

  1. Freiwerdende Kapazitäten durch Digitalisierung sinnvoll nutzen
  2. Neue Wege gehen: Betätigungsfelder erweitern
  3. Fazit: Digitale Herausforderungen in der Steuerberatung meistern
  4. Quellenangaben:
  5. Weitere Artikel zum Thema

Industrie, Handel oder Dienstleister – nichts geht mehr ohne Computer. IT ist in vielen Bereichen nicht mehr der bloße Erfüllungsgehilfe und der tumbe Tor, welcher Maschinenteile von A nach B transportiert. In den letzten zehn Jahren hat die Digitalisierung in vielen Bereichen ein Ausmaß erreicht, an das zur Jahrtausendwende nur ein paar Insider ernsthaft geglaubt haben. Heute übernimmt die Technik bereits die Verwaltung eines kompletten Hochregal-Lagers. Selbst in Bereichen, die ohne den Menschen bisher nicht auskommen, fasst Digitalisierung zunehmen Fuß.

Ein Beispiel ist die Suchmaschinenoptimierung, in der ohne IT keine vernünftige „Big Data“-Analyse mehr möglich wäre. Aber auch traditionelle Dienstleistungsberufe, wie der des Steuerberaters, werden seit Jahren in stärkerem Ausmaß von Technik durchdrungen. Das beste Beispiel ist die Übermittlung der Steuererklärung. Papier hat Seltenheitswert, die elektronische Einlieferung der Dokumente wurde in der Vergangenheit forciert. Bedeutet diese Entwicklung am Ende sogar, dass der Beruf des Steuerberaters ausstirbt?

Digitalisierung der Steuerberatung

Digitalisierung in der Steuerberatung (Foto: Urheber Gerhard Seybert)

Welche Tätigkeiten spielen bei der Digitalisierung der Steuerberatung eine Rolle?

Digitalisierung wird auch in der Steuerberaterbranche mitunter skeptisch betrachtet. Nicht ohne Grund stellen Branchen- und Wirtschaftsmedien bzw. Verlage immer wieder (etwas provokant) die Frage, ob Digitalisierung nicht zum Untergang des Steuerberaterberufs führen wird.

Grundsätzlich wird der Steuerberater auch in Zukunft existieren. Allerdings verändert sich das Berufsbild zunehmend. Schuld daran ist nicht nur die Tatsache, dass Steuerbehörden zunehmend auf Digitalisierung und elektronische Datenverarbeitung setzen.

Auch bei den typischen Mandanten der Steuerberatung– sprich Unternehmen – nimmt Digitalisierung auch in der Verwaltung zunehmend Raum ein – etwa in Bereichen wie:

  • Rechnungswesen
  • Controlling
  • Warenwirtschaft
  • Personalwesen.

Heißt in der Praxis, dass viele Belege, die lange in Papierform existierten, nun als digitales Medium vorliegen. Davon betroffen sind:

  • Rechnungen
  • Personalbögen
  • Buchungsprotokolle usw.

Für die Steuerberatung bedeutet dies einerseits eine Vereinfachung. Mit einem Klick auf Datenübernahme lassen sich ganz Datensätze, die früher manuell (von Hand) einzupflegen waren, ins System kopieren. Auf der anderen Seite bringt diese Entwicklung aber auch mit sich, dass kaum noch Kunden bereit sind, Kosten aus der Datenerfassung zu übernehmen.

Auf der anderen Seite wächst der Kontrollaufwand. Früher haben Steuerberater (oder deren Angestellte) Belege erfasst und Konten zugeordnet. Heute kann dies maschinell direkt beim Mandanten gemacht werden. Bedeutet auf der einen Seite, dass Aufwand entfällt. Auf der anderen Seite muss der Steuerberater aber auch genauer hinschauen, ob einzelne Buchungen in dieser Art wirklich korrekt zugeordnet wurden.

Freiwerdende Kapazitäten durch Digitalisierung sinnvoll nutzen

Eine Steuererklärung elektronisch erstellen und anschließend beim Finanzamt einreichen – irgendwann wird Künstliche Intelligenz – kurz KI – dazu in der Lage sein. Zumindest was gängige Sachverhalte betrifft muss sich der Berufsstand des Steuerberaters sicher auf Gegenwind einstellen.

Statt diese Entwicklung ausschließlich negativ zu bewerten, können sich hieraus auch Chancen ergeben. Wichtig ist, dass Steuerberater Potenziale erkennen. Was soll diese Aussage bedeuten? Durch die Digitalisierung entstehen in den Kanzleien freie Kapazitäten. Und diese können übergreifend zum Einsatz kommen.

  • Fokussierung auf Beratung: Steuerberater sind in der Praxis nur zu einem Bruchteil Berater. Oft geht es darum, Zahlen zu verwalten. Mit der Digitalisierung kann sich der Steuerexperte wieder stärker auf die Beratung konzentrieren. Mandanten früh aufzeigen, welche Möglichkeiten der Gestaltung sich im Unternehmen bieten, wäre eine Option. Das Ganze kann sich von der steuerrechtlichen Seite lösen.
  • Strategische Planung: Beratung ist eine Basis, die Steuerberater zukünftig in den Mittelpunkt rücken können. Unternehmen sind auf einen dauerhaften Erfolg ausgerichtet. Strategische Planung statt einfach unterjähriges Statement – genau hier kann der Steuerberater freie Kapazitäten einfließen lassen.
  • Als Gesamtkonzept denken: Unternehmens-/Wirtschaftsberater müssen sich in ein Unternehmen einarbeiten und können dann aktiv werden. Steuerberater haben von Haus aus einen detaillierten Einblick. Dieser Vorsprung lässt sich nutzen – indem die Beratung in Zukunft nicht mehr ausschließlich auf Steuerthemen abzielt. Dem Steuerberater der Zukunft geht es um ein Gesamtkonzept, dessen Entwicklung und Ausformung sich auf genau jene Daten stützt, die er sowieso schon in den Händen hält.

Neue Wege gehen: Betätigungsfelder erweitern

Wenn Arbeitsbereiche in der Digitalisierung wegfallen – wie lassen sich die Lücken schließen? Steuerberater sind gut beraten, sich für neue Wege zu interessieren. Beratungen mit dem Fokus des betriebswirtschaftlichen Erfolgs der Mandanten sind eine Option, um sich neue Tätigkeitsbereiche zu erschließen.

Das notwendige Know-how und die Kenntnis des Unternehmens bringt der Steuerberater mit. Warum sollte er dieses Potenzial ungenutzt und das Feld anderen überlassen.

Parallel kann der Steuerberater auf der Welle der Digitalisierung mitschwimmen. Experten des Steuerberaterverbands sehen hierin Potenzial. Erforderlich ist allerdings, dass Steuerberater zu Aus- und Weiterbildungen bereit sind. Das Ziel: Steuerberater werden zu Digital-Coaches, die Mandanten wichtige Impulse zur Digitalisierung mit auf den Weg geben.

Darüber hinaus kann eine enge Verflechtung zwischen Steuerberater und Technikgurus entstehen. Im Ergebnis steht die Entwicklung einer App oder einer SaaS (Software as a Service) Applikation für Unternehmen und Steuerberater. Oder der Steuerberater bringt sich in die Entwicklung einer Full-Service-Lösung ein. Die Verknüpfung gemeinsamer Schnittmengen kann am Ende eine Option sein, um sich als Steuerberater zukunftssicher etablieren zu können.

Fazit: Digitale Herausforderungen in der Steuerberatung meistern

Digitalisierung bedeutet für viele Branchen einen Umbruch. Steuerberater machen hier keine Ausnahme. Im Gegenteil: Die Branche hat in der Vergangenheit deutlich zu spüren bekommen, was Digitalisierung bedeutet. Seitens der Mandanten laufen viele Prozesse elektronisch ab – es gibt kaum noch Belege in Papierform. Damit ist eine Datenübernahme auf Knopfdruck zum Standardprozedere geworden. Und auch das Einreichen der Steuererklärung läuft inzwischen elektronisch ab. Stirbt der Berufsstand aus? Wahrscheinlich eher nicht. In der Zukunft wird der Steuerberater sich aber nicht mehr hinter EStG oder Umsatzsteuergesetz verstecken können. Neue Beratungswege und Tätigkeiten werden dem Steuerberater das Überleben sichern. Allerdings setzt dies voraus, dass der Berufsstand bereit und offen für Veränderungen ist – um Chancen zu erkennen und diese zu nutzen.

Quellenangaben:

Folgende Quellen wurden bei der Erstellung des Textes „Digitalisierung Steuerberatung“ herangezogen:

Weitere Artikel zum Thema

ERP Systeme und Co. – Die Steuerkanzlei effizienter managen!
Online Steuerberatung

 
nach oben