Ausbildung Steuerfachangestellte

Ausbildung Steuerfachangestellte / Steuerfachangestellter

  1. Überblick über die Ausbildung und den Beruf
  2. Voraussetzungen zur Ausbildung Steuerfachangestellte
  3. Das Tätigkeitsfeld eines Steuerfachangestellten
    1. TIPP:
  4. Verkürzung der Ausbildung zur Steuerfachangestellten und Karrieremöglichkeiten

Überblick über die Ausbildung und den Beruf

Die Ausbildung zum Steuerfachangestellten ist eine der anspruchsvollsten, die das deutsche Ausbildungswesen kennt. Während der dreijährigen Ausbildung erlernt man den Umgang mit den verschiedenen Steuergesetzen – wie dem Umsatzsteuer- und dem Einkommensteuergesetz bekommt aber auch Grundwissen im bürgerlichen und handelsrechtlichem Bereich vermittelt. Eine weitere große Rolle spielt das Rechnungswesen, das vornehmlich die Bereiche Finanzbuchführung, Kosten- und Leistungsrechnung und andere betriebswirtschaftliche Themenfelder abdeckt. Ist die Ausbildung erfolgreich beendet, besteht nach 10 Jahren Berufserfahrung die Möglichkeit einer Ausbildung zum Steuerberater.

Alleine aus der Zusammensetzung des schulischen Lehrplans wird deutlich, dass ein Steuerfachangestellter sich einem breiten Tätigkeitsspektrum gegenübersieht. Bei der steuerberatenden Dienstleistung stehen die Fragen, Anforderungen und Probleme der Mandanten stets im Mittelpunkt. Keineswegs sollte man davon ausgehen, man würde lediglich Steuern berechnen. Denn oftmals wird man zudem mit Fragen der Finanzplanung und Investition, des Vertragsrechts oder auch des Arbeitsrechts konfrontiert. Dabei gilt es komplexe Sachverhalte vor dem Hintergrund des erlernten Wissens fachgerecht zu erfassen und zu analysieren, damit dem Mandanten sowohl korrekte als auch verständliche Antworten gegeben werden können.

Wie eingangs erwähnt ist eine Regelausbildungsdauer von drei Jahren für die Ausbildung zum Steuerfachangestellten vorgesehen. Dabei handelt es sich um eine reguläre duale Ausbildung, bei der man parallel zur Arbeit im Steuerbüro eine berufsbildende Schule besucht. Dort sind die Hauptfächer Steuerlehre, Rechnungswesen und Wirtschaftslehre.

Abgesehen von den Klausuren, die im Rahmen des Unterrichts geschrieben und von den Lehrern gestellt werden, gibt es zwei weitere wichtige Wegmarken im Laufe der Ausbildung. Nach ungefähr anderthalb Ausbildungsjahren nimmt man an einer Zwischenprüfung teil, die auch Voraussetzung für die Teilnahme an der Abschlussprüfung ist. Diese Zwischenprüfung beinhaltet die bis zu diesem Zeitpunkt erarbeiteten Inhalte und wird von der zuständigen Steuerberaterkammer gestellt. Am Ende der Ausbildung steht die Abschlussprüfung, die alle unterrichteten Lernfelder beinhaltet.

Voraussetzungen zur Ausbildung Steuerfachangestellte

Grundsätzlich gibt es keine besonderen Voraussetzungen, um eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten zu beginnen. Faktisch ist es jedoch so, dass meist das Abitur oder ein vergleichbarer Abschluss seitens der Ausbildungsbetriebe gefordert wird. Diese Forderung ist aus der Vielschichtigkeit des Berufes ableitbar. Zudem wartet das Steuerrecht mit einer Vielzahl von Rechtsnormen auf, die zudem steten Änderungen durch den Gesetzgeber unterworfen sind. Als Mindestvoraussetzung kann die mittlere Reife angesehen werden.

Ein Grundverständnis für Zahlen ist bei dieser Ausbildung unabdingbar. Auch wirtschaftliche und rechtliche Zusammenhänge sollten nachvollzogen werden können. Genauso wichtig ist es, dass man in der Lage ist, sein Wissen zu vermitteln, da es sich um einen kommunikativen Beruf handelt. Ständig steht man im Austausch von Informationen mit den Kollegen, dem Finanzamt, den Steuerberatern und den Mandanten.

Das Tätigkeitsfeld eines Steuerfachangestellten

Steuerfachangestellte übernehmen nicht nur die Routinearbeiten der Steuerberater. Zwar besteht ein Großteil ihrer Arbeit daraus, dem Steuerberater zuzuarbeiten, doch, je nach Organisation des Büros, kann es auch sein, dass eigenständige Entscheidungen getroffen und Mandanten beraten werden.

Ein wichtiger und zugleich umfangreicher Bereich ihrer Arbeit ist das Erstellen, Überwachen und Weiterverwenden der Buchführung der einzelnen Mandanten. Anhand von Belegen und Kontoauszügen oder Kassenbüchern werden Buchungen vorgenommen, bei denen jeweils der vorliegende Geschäftsfall analysiert werden muss, da nur so eine korrekte Verbuchung ermöglicht wird. Zuvor sind die Unterlagen auf Vollständigkeit zu prüfen und zu sortieren, was je nach Mandant einen unterschiedlich großen Arbeitsaufwand mit sich bringt. Auch kann es nötig sein, empfangene und ausgestellte Rechnung insbesondere auf ihre umsatzsteuerliche Korrektheit zu überprüfen. Dies sind grundlegende Arbeiten, auf denen die restlichen mandantenbezogenen Tätigkeiten aufbauen.

Die Daten, die sich aus der laufenden Buchführung ergeben werden zur Erstellung von Einnahmen-Überschuss-Rechnungen und Jahresabschlüssen, genau, wie zur Ermittlung der zu zahlenden Einkommensteuer verwendet. Auch die monatlich, vierteljährlich oder jährlich zu erstellenden Umsatzsteuervoranmeldungen sind nur durch die Buchführung ordnungsgemäß zu erstellen.

Zusätzlich werden die Arbeitnehmer der Mandanten verwaltet. Hierzu sind die monatlichen Lohnabrechnungen zu erstellen und Arbeitnehmer bei den zuständigen Institutionen an- und abzumelden. Es werden auch Lohnsteueranmeldungen erstellt und Arbeitsverträge erstellt.

Ein bestimmender Faktor bei der täglichen Arbeit des Steuerfachangestellten ist die fristgerechte Erstellung der Arbeiten z. B. der Einkommensteuererklärungen und Jahresabschlüsse. Aber auch die Mandanten werden bei der Fristwahrung unterstützt, indem sie sogenannte Steuerfristenkalender zugesandt bekommen, mit denen ihnen Höhe und Fälligkeiten der von ihnen zu zahlenden Steuern mitgeteilt werden. Dabei ist es wichtig, dass zuvor ihre Steuerbescheide geprüft und die korrekten Beträge und Zahlungsziele entnommen wurden. Dies – und alle anderen Tätigkeiten – geschieht oft unter Zeitdruck, der in der Steuerberatung selten zu vermeiden ist.


Thema: Steuerfachangestellte – Beruf – Ausbildung – Sendung vom Bayerischen Rundfunk.

TIPP:

Weitere Informationen zum Tätigkeitsfeld Steuerfachangestellte/r finden Sie hier.

Verkürzung der Ausbildung zur Steuerfachangestellten und Karrieremöglichkeiten

Doch der fordernde Charakter dieses Berufes birgt auch Vorteile. Steuerfachangestellte sind spezialisierte Fachkräfte, die auf dem Arbeitsmarkt von unterschiedlichsten Seiten gesucht werden. Sie können nicht nur für freiberuflich tätige Steuerberater arbeiten, sondern auch Anstellungen in produzierenden Unternehmen oder Ähnlichem finden. Dabei handelt es sich meist um größere Unternehmen, die eigene Lohn- und Gehaltsabteilungen unterhalten oder eine eigene Buchführungssparte beinhalten. Hier bieten sich in der Regel bessere Verdienstmöglichkeiten als in den Steuerbüros.

Um die Zeit bis zu einem geplanten Wechsel zu verkürzen, kann man auf Antrag an die Steuerberaterkammer des jeweiligen Bundeslandes und mit Zustimmung des eigenen Ausbildungsbetriebes die Ausbildungszeit um ein halbes Jahr verkürzen.

Dies bringt auch mit sich, dass es früher möglich ist, an eine Weiterbildung teilzunehmen. Der Bilanzbuchhalter und der Steuerfachwirt bauen auf der Ausbildung zum Steuerfachangestellten auf und haben gemeinsam, dass sie eine Mindestanzahl von Jahren mit Praxiserfahrung voraussetzen. Die Fortbildungen finden berufsbegleitend statt und können entweder im Präsenz- oder Fernunterricht abgelegt werden. Darüber hinaus ist es möglich, nach zehn Jahren, in denen man als Steuerfachangestellter gearbeitet hat, eine Steuerberater Ausbildung zu beginnen und die damit verbundene Steuerberaterprüfung abzulegen. Dabei verkürzt sich die Wartezeit durch vorangegangene Weiterbildungen.

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