StB-Examen – Aufgaben und Inhalte der Steuerberaterprüfung

Die Steuerberaterprüfung ist wohl eine der anspruchsvollsten und schwersten Prüfungen, die man in Deutschland ablegen kann.  Die Schwierigkeiten liegen vor allem darin, dass man sich in den rund 200 Steuergesetzen und dem wohl kompliziertesten Steuersystem weltweit zurechtfinden muss.  Die Steuerberaterprüfung besteht aus einem schriftlichen Teil (drei Klausuren unter Aufsicht) und einem mündlichen Teil (in Form eines Prüfungsgesprächs) und ist in § 37 (1) StBerG geregelt.

Die schriftliche Prüfung

Der schriftliche Teil der Prüfung besteht aus drei Klausuren über sechs Zeitstunden, die an drei aufeinanderfolgenden Tagen geschrieben werden. Da die Steuerberaterprüfung bundesweit nur einmal jährlich stattfindet, liegen die Termine für die Klausuren jeweils in der ersten Oktober-Woche eines Jahres.
Die Klausuren werden in Form von komplexen Sachverhalten gestellt und sind vielfach Steuerübergreifend zu bearbeiten und entsprechend zu beurteilen. Ziel ist es, einen oder mehrere Sachverhalte in einer Art Gutachterstil darzustellen.Nach der Schilderung des Sachverhaltes schließen sich Hinweise und die eigentlichen Aufgaben an. Die Hinweise beziehen sich zumeist auf Schwerpunkte, die bei der Lösung berücksichtigt werden müssen, oder auch auf Punkte die zu vernachlässigen sind oder gar nicht erwähnt werden müssen. In der Aufgabenstellung steht dann explizit was die Lösung beinhalten muss z. B.

  • Ermittlung des steuerlichen Gewinns
  • die Berechnung der Steuerschuld
  • oder die umsatzsteuerliche Behandlung des Sachverhaltes

Eine Klausur kommt so im Schnitt auf 10 bis 15 Seiten. Die einzelnen Sachverhalte können eine oder zwei Seiten lang sein, es gibt aber auch Aufgaben, in denen ein Grundsachverhalt geschildert wird und sich daraus mehrere Unteraufgaben ergeben.
In den Klausuren für Buchführung und Bilanzierung werden dann auch z. B.

  • Buchungssätze
  • die Ermittlung von Anschaffungskosten
  • oder die Berechnung von Abschreibungen verlangt.

Wichtig in allen Klausuren ist auf jeden Fall immer das korrekte Zitieren von Gesetzesstellen – das bringt die sogenannten „Fußgänger Punkte“.
Sie können einen Sachverhalt vom Ergebnis her perfekt lösen und das richtige Resultat haben – ohne die Gesetzesstellen zu erwähnen bekommen Sie dafür von 20 möglichen Punkten vielleicht drei oder vier! Die restlichen 16 waren für die Zitate und Verweise auf Steuergesetzte oder Richtlinien!

Die drei Klausuren sind thematisch wie folgt gestaltet:

1. Klausur

  • Umsatzsteuer
  • Verfahrensrecht
  • Erbschaftsteuer
  • Bewertungsrecht

2. Klausur

  • Einkommensteuer
  • Gewerbesteuer
  • Körperschaftsteuer
  • Außensteuerrecht
  • Interne Steuern

3. Klausur

  • Buchführung
  • Bilanzierung
  • Umwandlungssteuerrecht

Tipp:

An dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen, dass die Steuerberaterkammer alle Klausuren der letzten Jahre (allerdings ohne Lösungen) zum Download bereitstellt.
Besuchen Sie hierzu den Internetauftritt der StB-Kammer NRW.

Die mündliche Prüfung

Wer die Hürden der schriftlichen Prüfung geschafft hat, wird zur mündlichen Prüfung zugelassen. Diese besteht aus einem Kurzvortrag (ca. 10 Minuten) und einem Prüfungsgespräch. Für den Kurzvortrag gibt es eine Vorbereitungszeit von rund einer halben Stunde zu einem vorgegebenen Thema (teilweise zwei oder drei Themen zur Wahl).

Die Prüfung wird meistens in einer Gruppe von vier bis sechs Prüflingen abgehalten und dauert pro Prüfling im Schnitt 90 Minuten.

Nach den Kurzvorträgen beginnt dann das Prüfungsgespräch, das die sechs Prüfer abwechselnd leiten, über die Themen, die in den schriftlichen Prüfungen nicht abgedeckt wurden, wie z.B.

  • Berufsrecht
  • bürgerliches Recht
  • VWL
  • Betriebswirtschaftslehre.

Allerdings können auch Fragen und Sachverhalte aus allen anderen Steuergebieten und dem Handelsrecht vorkommen.

Die Fragen gehen in der mündlichen Prüfung weniger in die Tiefe der einzelnen Gebiete, sondern mehr auf Basiswissen. Jedoch ist die Fülle an möglichen Themen immens groß.

Darüber hinaus werden hier aber auch die rhetorischen Fähigkeiten und das Verhalten gegenüber potentiellen Mandanten durch die Prüfungskommission bewertet.

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