Doppelte Haushaltsführung – Aufwendungen

  1. Allgemeines zur doppelten Haushaltsführung
    1. Eigener Hausstand am Wohnort
    2. Zweitwohnung am Beschäftigungsort und berufliche Veranlassung
  2. Welche Kosten sind abzugsfähig?
    1. Fahrtkosten
      1. Benutzung des eigenen PKW:
      2. Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel:
    2. Verpflegungskosten
    3. Koste für die Zweitwohnung
    4. Umzugskosten
  3. Wahlrecht

Allgemeines zur doppelten Haushaltsführung

Eine doppelte Haushaltsführung im Sinne des Einkommensteuerrechts liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer einen eigenen Haushalt an seinem Wohnort (Hauptwohnung) unterhält, gleichzeitig aber eine Zweitwohnung am auswärtigen Beschäftigungsort (Ort der ersten Tätigkeitsstätte) inne hat, § 9 Abs. 1 Nr. 5 S. 2 EStG
Die Voraussetzungen für das Vorliegen einer doppelten Haushaltsführung sind damit:

  • eigener Hausstand am Wohnort
  • Zweitwohnung am Beschäftigungsort, sowie berufliche Veranlassung

Eigener Hausstand am Wohnort

Ein eigener Hausstand am Wohnort des Steuerpflichtigen erfordert das Innehaben einer (Haupt-)Wohnung, die im Eigentum des Steuerpflichtigen oder von diesem angemietet wird. Diese muss den Lebensbedürfnissen des Arbeitnehmers entsprechend eingerichtet sein. Zudem muss sich der Steuerpflichtige außerhalb seiner Abwesenheit am Beschäftigungsort regelmäßig in der Hauptwohnung aufhalten bzw. tatsächlich dort wohnen.
Ein weiteres Merkmal für das Vorliegen des eigenen Hausstandes ist die Kostenbeteiligung des Arbeitnehmers an der Haushaltsführung. Relevant ist dieses Kriterium insbesondere für Steuerpflichtige, die z.B. unentgeltlich im Haushalt ihrer Eltern ein Zimmer bewohnen. In diesem Fall sollte sich der Steuerpflichtige an den Kosten beteiligen (Faustregel: zu mindestens 10%), da ansonsten die doppelte Haushaltsführung nicht anerkannt wird. Bei verheirateten oder zusammenlebenden Steuerpflichtigen reicht es dagegen aus, wenn beide im Vertrag als Mieter eingetragen sind.
Und schließlich muss der Mittelpunkt der Lebensinteressen zwingend am Wohnort der Hauptwohnung liegen. Bei verheirateten Steuerpflichtigen liegt der Mittelpunkt der Lebensinteressen regelmäßig am Wohnort des Ehepartners/der Familie. Ein lediger Steuerpflichtiger hat den Mittelpunkt der Lebensinteressen hingegen an dem Wohnort, zu dem enge persönliche Beziehungen bestehen. Persönliche Beziehungen umfassen dabei die Eltern, den Freundeskreis, die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder sonstige Freizeitaktivitäten.

Zweitwohnung am Beschäftigungsort und berufliche Veranlassung

Als Zweitwohnung kann grundsätzlich jede mögliche Unterkunft dienen, so z.B. eine Miet- oder Eigentumswohnung aber ebenso ein möbliertes Zimmer oder eine Pension. Die Größe und Ausstattung der Zweitwohnung sind hierbei nicht entscheidend.
Von einer Zweitwohnung ist ferner auszugehen, wenn die Entfernung zwischen der Zweitwohnung und der ersten Tätigkeitsstätte weniger als die Hälfte des Weges zwischen der ersten Tätigkeitsstätte und der Hauptwohnung beträgt.
Die Begründung der Zweitwohnung muss zwingend aus beruflichen Gründen erfolgen, sei es beispielsweise aufgrund einer Verlegung oder eines Arbeitsplatzwechsels. Eine berufliche Veranlassung liegt insbesondere vor, wenn der Lebensmittelpunkt aus beruflichen Gründen weg verlegt wird und die Zweitwohnung lediglich dazu dient von dort aus zum Beschäftigungsort zu
gelangen.

Die Voraussetzungen für die Begründung einer doppelten Haushaltsführung sind dem Finanzamt
anhand einschlägiger Nachweise glaubhaft zu machen.

Welche Kosten sind abzugsfähig?

Folgende Kosten sind als Aufwendungen im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung als
Werbungskosten abzugsfähig.

Fahrtkosten

Als Fahrtkosten sind folgende Kosten absetzbar:

  • Die erste und letzte Fahrt, d.h. zu Beginn und bei Beendigung der doppelten Haushaltsführung
  • wöchentliche Familienheimfahrten (Ansatz 1 Mal pro Woche)

Benutzung des eigenen PKW:

Bei der ersten bzw. letzten Fahrt hat der Steuerpflichtige ein Wahlrecht, zwischen dem Ansatz der tatsächlich gefahrenen Kilometer und dem pauschalen Ansatz von 30 Cent pro gefahrenen Kilometer. Für die wöchentlichen Familienfahrten ist ausschließlich der Pauschbetrag in Höhe von 30 Cent pro Kilometer anzusetzen.Wer einen PKW von seinem Arbeitgeber gestellt bekommt (Dienstwagen) darf keine Fahrtkosten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung geltend machen.

Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel:

Hierbei ist zwischen der ersten und letzten Fahrt, sowie den wöchentlichen Familienheimfahrten zu differenzieren. Werden Letztere mit Bus oder Bahn zurück gelegt, kann zwischen der Entfernungspauschale und den tatsächlichen Kosten abgewogen werden. Die jeweils höheren Kosten dürfen abgezogen werden. Wird die Familienheimfahrt mit dem Flugzeug bestritten, sind lediglich die tatsächlich angefallenen Kosten anzusetzen.
Für die erste und letzte Fahrt können, unabhängig davon ob diese mit Bus, Bahn oder Flugzeug bestritten werden, lediglich die tatsächlichen Kosten berücksichtigt werden.

Sofern der Steuerpflichtige keine Familienheimfahren unternommen hat, kann er stattdessen die Kosten für das Telefon, d.h. für Gespräche mit Angehörigen, die zum eigenen Hausstand gehören, ansetzen.
Bekommt der Steuerpflichtige hingegen Besuch von seinen Angehörigen, so können auch deren Fahrtkosten steuermindernd berücksichtigt werden.

Verpflegungskosten

Da der Steuerpflichtige außerhalb seines eigenen Hausstandes tätig ist, entstehen ihm Verpflegungsmehraufwendungen, die er bei nur einem Haushalt nicht zu tragen hätte. Aus diesem Grunde erlaubt es das Gesetz für einen Zeitraum von 3 Monaten ab dem Beginn bzw. der Begründung der doppelten Haushaltsführung für jeden Kalendertag, an dem der Steuerpflichtige von seiner Hauptwohnung abwesend ist, Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen anzusetzen. Diese betragen, analog einer auswärtigen Tätigkeit bzw. einer Dienstreise EUR 12 für die An- und Abreisetage, sowie EUR 24 für jeden vollen Tag der Abwesenheit von der Hauptwohnung. Urlaubs- und Krankheitstage werden hierbei nicht berücksichtigt. Gleiches gilt, wenn der Steuerpflichtige über das Wochenende in der Hauptwohnung bleibt. Zu beachten ist zuletzt, dass die Drei-Monats-Frist mit jeder neuen doppelten Haushaltsführung neu beginnt, während ein Wechsel des Arbeitsplatzes am Beschäftigungsort keine neue Frist auslöst.

Koste für die Zweitwohnung

Weitere abziehbare Werbungskosten im Zusammenhang mit einer doppelten Haushaltsführung sind die Kosten für die Zweitwohnung. Diese umfassen zum einen die Aufwendungen für die Unterkunft, sowie Kosten für die Einrichtung der Wohnung.
Zu den Kosten für die Unterkunft gehören, bei einer Mietwohnung, typischerweise die Aufwendungen für die Kaltmiete, die Betriebskosten, Erhaltungsaufwendungen, Gartennutzung, sowie gegebenenfalls sogar die zu entrichtende Zweitwohnungssteuer.
Kosten für die Übernachtungen in einem Hotel sind ebenfalls abzugsfähig, wobei ein pauschaler Abzug für das Frühstück vorzunehmen ist.
Der Ansatz der Kosten für die Unterkunft ist ab dem Veranlagungszeitraum 2014 der Höhe nach begrenzt. Demnach sind monatlich höchstens EUR 1.000 zu berücksichtigen.

Als Werbungskosten abzugsfähig sind weiterhin die Kosten für folgende Einrichtungsgegenstände (beispielhaft):

  • Schrank
  • Tisch
  • Bett
  • Stuhl
  • Laptop
  • Kühlschrank
  • Lampen
  • Hausrat (Geschirr, Besteck etc.)

Umzugskosten

Umzugskosten entstehen regelmäßig zu Beginn bzw. bei Beendigung der doppelten Haushaltsführung. In beiden Fällen können diese als Werbungskosten berücksichtigt werden. Die Umzugskosten werden grundsätzlich in tatsächlicher Höhe angesetzt, d.h. eine Pauschalierung ist hierbei nicht zulässig. Zu den Umzugskosten gehören insbesondere:

  • Transportkosten (30 Cent pro gefahrenen Kilometer bei Nutzung eines eigenen PKW)
  • Kosten einer Umzugsfirma
  • Kosten für die Wohnungssuche (z.B. Fahrten zum Besichtigungstermin, Maklerprovision)
  • Kosten für Kartons
  • Kosten für die Anmietung eines Mietfahrzeugs

Wahlrecht

Im Ergebnis steht dem Steuerpflichtigen das folgende Wahlrecht zu: er kann entweder alle für die doppelte Haushaltsführung anfallenden Kosten geltend machen (vgl. Punkt 3) oder aber die Entfernungspauschale für die tatsächlichen Fahrten zwischen der Hauptwohnung und dem Beschäftigungsort geltend machen. Dies kommt insbesondere dann in Betracht, wenn der Steuerpflichtige mehr als nur einmal wöchentlichen zu seinem eigenen Hausstand zurück kehrt. Das Wahlrecht darf jeweils einmal ausgeübt werden.

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