Die Organisation des Berufsstandes – Steuerberaterkammern – Steuerberaterverband (DStV)

  1. Die wichtigsten Aufgaben eines Steuerberaters
  2. Gesetzliche Grundlage: das Steuerberatungsgesetz
  3. Die Steuerberaterkammern – Überwachungsorgane und Interessenvertretungen
  4. Der Weg zur Beruf des Steuerberaters
  5. Steuerberaterkammern bilden Nachwuchs selbst aus
  6. Weitere Berufsverbände

Steuerberater genießen in Deutschland ein hohes Ansehen, gelingt es doch mit ihrer Hilfe, im Dschungel der Steuergesetze so manchen Euro zu sparen. Schließlich gibt es in unserem Land 37 verschiedene Steuerarten, ein großer Teil davon ist abhängig vom Einkommen bzw. von den Erträgen einer Unternehmung. Die Pflicht zur Ermittlung der Steuerlast hat der Finanzgesetzgeber in vielen Sachverhalten auf den Steuerpflichtigen übertragen – nur die wenigsten sind dazu aber wirklich in der Lage. Die meisten Steuerzahler benötigen dafür einen Helfer, der hoch qualifiziert ist, über rechtlichen Sachverstand fast wie Jurist verfügt und in der Finanzwelt zu Hause ist: also einen kompetenten Steuerberater. Doch einen entsprechenden Studiengang sucht man an den Universitäten und Hochschulen vergebens. Der Weg zum Steuerberater ist in unserem Land gesetzlich geregelt – und wird entsprechend überwacht.

Die wichtigsten Aufgaben eines Steuerberaters

Für ihre Mandanten, zu denen Unternehmen, Vereine und Organisationen ebenso gehören wie Gewerbetreibende und Freiberufler, Arbeitnehmer und Rentner, übernehmen Steuerberater die Beratung und Vertretung in Steuersachen. Sie leisten ihnen Hilfestellung bei der Erfüllung ihrer sämtlichen steuerlichen Pflichten. In erster Linie sind das die Abgabe der Steuererklärungen für die verschiedenen Steuerarten (z.B. Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer), die Voranmeldung der Umsatzsteuer sowie die Beratung zur Gestaltung steuerlich relevanter Sachverhalte wie Erbschaftsregelungen und Schenkungen. Für Unternehmen und Organisationen erstellen die steuerlich Bevollmächtigten die jährlichen Bilanzen. Außerdem gewähren sie Beistand in Streitfällen mit der Finanzverwaltung, in Steuerstrafsachen und Bußgeldangelegenheiten.

Viele Steuerberaterkanzleien bieten ihren Mandanten darüber hinaus auch betriebswirtschaftliche Unterstützung an. So werden regelmäßige Auswertungen der Finanzdaten erstellt, Liquiditätsvorschauen und Rentabilitätspläne erarbeitet und die Bilanzen ausgewertet. Solche Unterlagen fordern Banken und andere Kreditgeber für laufende oder geplante Finanzierungen an. Sie ermöglichen dem Unternehmer außerdem eine aktive Steuerung der Unternehmensprozesse sowie die Planung der kommenden Perioden. Eine intensive Beratungstätigkeit erfordert ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen den Beteiligten. Verschwiegenheit, Eigenverantwortlichkeit und Unabhängigkeit gehören daher zu den besonderen Berufspflichten des Steuerberaters.

Gesetzliche Grundlage: das Steuerberatungsgesetz

Die steuerliche Beratung ist in Deutschland streng strukturiert und reglementiert. Das derzeit gültige Gesetz zur Steuerberatung wurde 1961 beschlossen und im Juni 2016 zuletzt geändert. Es regelt gleich zu Beginn, dass Hilfeleistungen in Steuersachen bei uns nur von befugten Personen und Vereinigungen erbracht werden dürfen. Befugt für gewerbliche steuerliche Beratungen wurden nur Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer (und natürlich Unternehmen, in denen diese Personen angestellt sind). Außerdem ist gesetzlich geregelt, welche persönlichen Voraussetzungen ein Steuerberater mitbringen muss und welche Rechte und Pflichten er hat. Den Beruf Steuerberater ausüben kann er allerdings auch nach einer erfolgreichen Ausbildung nur dann, wenn die örtliche Steuerberaterkammer ihn als Steuerberater berufen hat. Gebunden sind die steuerberatenden Berufe auch an die Berufsordnung der Steuerberater, die Fachberaterordnung und die Steuerberatervergütungsordnung.

Die Steuerberaterkammern – Überwachungsorgane und Interessenvertretungen

In regionalen Steuerberatungskammern, in Deutschland gibt es 21 dieser Berufsvereinigungen, sind alle örtlich ansässigen Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Steuerberatergesellschaften Pflichtmitglied. Spitzenorganisation der örtlichen Kammern ist die Bundessteuerberaterkammer mit Sitz in Berlin. Die als Körperschaften des öffentlichen Rechts organisierten Kammern überwachen die Einhaltung des umfangreichen Steuerberatungsgesetzes. Außerdem arbeiten sie als Selbstverwaltung des Berufsstandes. In dieser Funktion nehmen sie auch die Vertretung der beruflichen Interessen ihrer Mitglieder wahr. Die Kammern unterbreiten Angebote für die Weiterbildung ihrer Mitglieder und fördern so den Berufsstand. Besonderes Augenmerk richten die Berufsvereinigungen auf den Dialog zwischen ihren Mitgliedern, den Kontakten zu Politikern und Finanzbehörden, Verwaltungen und anderen Institutionen. Bei fachlichen Differenzen zwischen Steuerberatern und Mandanten greifen sie vermittelnd ein, sie erarbeiten außerdem Gutachten für besonders umstrittene Sachverhalte vor den Finanzgerichten. Eine Hauptaufgabe für die Kammern ist die Wahrung der Integrität des Berufsstandes. Dazu dienen auch die strengen Zulassungsvoraussetzungen, die anspruchsvollen Prüfungen und die umständliche Prozedur der Berufungen zum Steuerberater.

Der Weg zur Beruf des Steuerberaters

Steuerberater genießen das besondere Vertrauen ihrer Mandanten. Fundierte Fachkenntnisse im Steuerrecht sowie praktische Erfahrungen im Beruf werden erwartet, ehe die Kandidaten zur Prüfung als Steuerberater überhaupt zugelassen werden. Dafür müssen sie ein Hochschulstudium der Wirtschaftswissenschaft oder der Rechtswissenschaft erfolgreich abgeschlossen haben und außerdem bereits zwei bzw. drei Jahre im Bereich der Steuerberatung gearbeitet haben. Steuerfachangestellte oder Steuerfachwirte können sich ebenfalls zur Prüfung als Steuerberater anmelden, wenn sie zehn Jahre in diesem Bereich tätig waren. Die Aufstiegsqualifikation als Steuerberater gilt als eine der schwersten im Bereich der Erwachsenenbildung. Trotz Besuch von mehrmonatigen Vorbereitungslehrgängen bestehen etwa 50 Prozent der Absolventen die anspruchsvollen Examen vor den Steuerberaterkammern nicht. Das Bestehen der Steuerberaterprüfung ist jedoch Voraussetzung dafür, dass der Bewerber die Zulassung als Steuerberater bei der Kammer überhaupt beantragen kann. Hier muss er dann nachweisen, dass er in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt, nicht vorbestraft und auch gesund genug für die Tätigkeit ist und dass er seinen Berufspflichten nachkommen wird. Viele Kammern verlangen bei diesem Antrag die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses. Der berufene Steuerberater kann dann in einer Kanzlei tätig werden, er darf sich aber auch selbständig niederlassen.

Steuerberaterkammern bilden Nachwuchs selbst aus

Die deutschen Steuerberaterkammern bestimmen die Ziele und Inhalte in der Bildung des gesamten Berufsstandes und sichern so deren hohe Qualität, im Interesse der zu betreuenden Mandanten. Sie kümmern sich auch im die anspruchsvolle Ausbildung der Mitarbeiter in den Steuerbüros, also der Steuerfachangestellten und der Steuerfachwirte. Diese übernehmen oft die täglichen Arbeiten in der Buchhaltung oder der Lohnabrechnung der Mandanten. Dafür benötigen sie sowohl ausreichende steuerliche Fachkenntnisse als auch betriebswirtschaftliche Fähigkeiten. Das in Deutschland übliche duale Studium für die Nachwuchskräfte wird von den Kammern organisiert. In den Berufsschulen werden die theoretischen Inhalte vermittelt, die Mitgliedskanzleien kümmern sich dann um die Praxis. Nach dem Ablegen der Prüfungen vor der Steuerberaterkammer dürfen die Auszubildenden dann als Steuerfachangestellte bzw. Steuerfachwirte arbeiten.

Weitere Berufsverbände

Neben den gesetzlich verankerten Steuerberaterkammern existieren in Deutschland weitere Berufsvereinigungen der Steuerberater. Zu ihnen gehören der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) mit 16 Mitgliedsvereinen und der Bundesverband der Steuerberater e.V. Diese privatrechtlichen Vereinigungen stellen die Vertretung der steuerberatenden Berufe in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Dabei geht es um die Wahrung der Interessen der Steuerberater gegenüber der deutschen und der europäischen Gesetzgebung und auch gegenüber den Steuerberatungskammern. Die Förderung der Weiterbildung, die Mitarbeit bei der Entwicklung von Steuergesetzen und die Gewährung von Vorteilen bei der Altersvorsorge und Versicherungen der Steuerberater sind weitere Aufgaben der Berufsverbände. Regelmäßig organisieren die Verbände, in denen die Mitgliedschaft freiwillig ist, Kongresse und Tagungen zu aktuellen steuerpolitischen Themen, so dass ein reger Austausch zwischen den Kollegen möglich wird.

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